Wirtschaftswunder-Luxus pur: Die Bus-Version diente nicht nur Reiseunternehmen, sie sorgte auch im Werksverkehr großer Unternehmen für einen reibungslosen Ablauf.
Foto: Werk


1942, mitten im Krieg, havarierte der Sternenfrachter L1100. Daimler-Benz stand plötzlich in der Klasse der 3,5-Tonner ohne adäquates Exemplar da. Aber man hatte eh andere Sorgen. Bis es einen Nachfolger diese Modells geben würde, sollte es länger dauern. Erst 1955 präsentierte „der Daimler“ einen neuen 3,5-Tonner. Damals noch nicht ahnend, dass dieser Wagen ganze Transporter- Generationen prägen und den Grundstein für die Erfolgsgeschichte der Mercedes-Flotte legen würde.
Den ersten Prototypen, LW317 genannt, zeichnete eine geteilte Frontscheibe aus.
Außerdem verfügte er noch über Selbstmördertüren und den Einstieg vor der Vorderachse. Es ließ sich nicht leugnen, dass die Modelle französischer Marken den Mercedes-Entwurf beeinflussten. In der Serie jedoch konnte man es besser machen als die Gallier. Vor allem der Einstieg hinter der Vorderachse erleichterte den Alltag der Chauffeure. Technisch konnte man auf die Verwandtschaft zählen, der 1953 vorgestellte Mercedes 180 steuerte einiges bei. Vor allem den Motor, der als Selbstzünder 43 PS mobilisierte. Für einen PKW der...

...damaligen Zeit ordentlich, für einen Transporter mager. Das allerdings tat dem Erfolg keinen Abbruch, zumal der 319, den man außerdem auch als Kleinbus ordern konnte, einen Benzinmotor als Alternative bekam. Besonders Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst griffen auf die "flotte" Version zurück. Der O319 (so die Bezeichnung des Busses) konnte in drei Ausstattungen bestellt werden, den Transporter L319 gab es hingegen in unzähligen Ausführungen. Als geschlossenen Kasten gab es ihn, als Pritsche, als Kasten mit Ausschnitten (z. B. für Marktbeschicker), als Doppelkabine, später sogar mit langer Ladefläche, als Tieflader-Pritsche und, und, und. Die Möglichkeiten schienen endlos. Für Spezialaufbauten bot man auch ein reines Fahrgestell mit Führerhaus an. An fast alles und jeden wurde gedacht. Und was die Daimler-Benz AG nicht selbst feilbot, das besorgten Spezialfirmen wie Miesen oder Binz.
Mit der Zeit besann man sich in Untertürkheim wieder auf die Leistung. Noch immer waren 43 PS sehr mager. 1961 gab man dem 319 einen neuen Motor, der nun 50 PS leistete. 1964 legte man noch fünf Gäule obendrauf. Mit dem Benzinmotor war man besser bedient, wobei 65 PS zwar deutlich mehr sind als 43, aber reichte das? Und die drei Mehr-PS ab 1961 merkte man nicht wirklich. Die 80 PS ab 1965 waren da schon etwas anderes.
1963 benannte man die Nutzfahrzeug-Modelle um. Man wollte Tonnage und Leistung kommunizieren. So wurde aus dem L319D der 405D und aus dem Benziner der 407. Die erste (oder auch zwei) Ziffer(n) benannten die Tonnage, die letzten beiden die Leistung. Bei den Bussen blieb alles beim Alten. 1968 verschwand er, der Erbe T2 konnte es besser. Aber der 319 hatte das Fundament gelegt.


Langversion mit Benzinmotor der Mercedes-Niederlassung Berlin - ex Feuerwehr. Was wäre die Van-Oldtimerszene ohne die Überlebenden aus den pflegenden Händen der Freiwilligen Wehren.
Foto: Oldtimerreporter.Haehnel


 

 

 

 

 


Überall dort, wo Schwer-Lastzüge chancenlos waren kam er zum Einsatz. Auch für die Pirmasenser Parkbrauerei war er eine unverzichtbare Ergänzung des Fuhrparks. Foto: Werk