Angeblich der erste Radio-Ü-Wagen auf Bulli-Basis: WZLS 96,5 FM aus North Carolina. 
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Mitte: Originalskizze von Ben Pon.
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Doch, doch. Es stimmt schon. In den 60-ern, 70-ern und auch noch in den 80-er Jahren war der Bulli ein Arbeitstier. Mehr nicht. Ich kann mich noch an ein gar nicht so schlechtes Angebot eines T-1-Samba Ende der Siebziger erinnern: 3800 Mark wollte der Eigner seinerzeit haben. Niemand hätte damals gedacht, dass solche Autos in gutem Zustand mal sechsstellig kosten würden. Jaja, man hätte...

Die Holländer waren schon immer gute Händler. Im 17. Jahrhundert schöpften sie aus den aufgebauten Handelsbeziehungen großen Wohlstand, der sich in den prächtigen Grachtenhäusern von Amsterdam widerspiegelt.
Nach dem zweiten Weltkrieg dauerte es dann auch nicht lange, bis der niederländische Automobilhändler Ben Pon Interesse am deutschen Volkswagen zeigte. Bereits Anfang 1947 reiste er nach Wolfsburg. Dort fiel sein Auge auf...

...den legendären Plattenwagen. Im Nachkriegseuropa war ein großer Bedarf an kleinen, wendigen Transportfahrzeugen, und nach seiner Heimkehr versuchte Pon, für dieses Konzept in den Niederlanden eine Straßenzulassung zu bekommen. Leider erfolglos.

Doch Ben Pon gab sich nicht geschlagen. Bei seinem nächsten Besuch im VW-Werk, am 23. April 1947, skizzierte er seine überarbeitete Version eines Transportfahrzeuges, des berühmten „Plattenwagens“. Dies gilt seitdem als Geburtsstunde des Volkswagen T1-Transporters, und diese jährt sich nun zum 70. Mal. Apropos T2: Der hat auch was zu feiern, nämlich seinen Fünfzigsten. Im August 1967 wurde die geteilte Frontscheibe in den Ruhestand geschickt, nun rollte die erste gründliche Überarbeitung des Bullis vom Band.
Das hatte sich die „Interessengemeinschaft T2“ zum Anlass genommen, ihr Jahrestreffen in Hannover, Heimat des Transporterwerkes,  abzuhalten. Die Organisation hatte mehrere Sonderführungen bei Volkswagen organisiert, so unter anderem eine Vorab-Besichtigung des erst einen Monat danach eröffneten „Bulli Klassik Tour“-Museums.
Diese Ausstellung ist die offizielle Weiterführung der anlässlich des 60.Geburtstages erstellten Bulli-Sonderschau. Hier findet man einen besonders alten T1, eine T1-Feuerwehr, natürlich mehrere Sambabusse, einen Silberfisch, einen brasilianischen T2c und viele weitere, besondere Busse.
Aber auch auf dem Jahrestreffen selbst gab es einige Schmankerl zu entdecken: so der Bulli mit dem roten Kreuz und den gigantischen Antennen.
Der Berliner Arbeiter-Samariter-Bund hatte sich den Kombi als Einsatz-Leitwagen eingerichtet, mit Funkanlagen für das 2- und 4-Meter-Band (die Frequenzen von Ambulanz, Feuerwehr und Polizei).

Die IG T2 hat zudem die Sonderausstellung „50 Jahre T2“ im PS-Speicher in Einbeck ausgestattet.
Hier finden sich viele Sonderaus- und aufbauten des T2, wie Polizei, Bergwacht, ein E-Bus und ein Weltreise-Bus. Gleich am Eingang findet sich der Ideengeber des Erfolgsmodells: der Plattenwagen. Die Schau läuft noch bis Ende des Jahres.
Zurzeit läuft die sechste Generation des Multifunktionsfahrzeuges vom Band, und 2022 soll es endlich den schon x-fach angekündigten Retro-Bulli, den I.D. Buzz geben.
Nicht in den kühnsten Träumen konnte sich 1947 jemand vorstellen, was aus der Skizze des ambitionierten Holländers folgen würde.

Keiner war mehr bei Rettungsdiensten im Einsatz als der T2.
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